Dekanat Dreieich

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Wenn er denn käme

Lampedusa. Kein Raum in der Herberge. Würde er überhaupt reinkommen? – Wenn er denn wiederkäme nach 2013 Jahren. Sagen wir mal als syrischer Christ. Und dann stelle ich mir vor, wie er sich mit anderen nach Deutschland durchschlägt. – Wenn er Pech hat, gerät er in eines dieser überfüllten kommerziellen Flüchtlingsheime, wo sich Geschäftemacher mit der Not der Gestrandeten eine goldene Nase verdienen. Wenn er Glück hat, kommt er nach Egelsbach ins Haus der Christlichen Flüchtlingshilfe. Aber das ist unwahrscheinlich: Dorthin werden meist Familien mit Kindern geschickt. So richtig freut sich niemand, dass Jesus so wieder kommt. Mancherorts sind die Menschen offen ablehnend. Rechte Parteien und Initiativen wollen ihn und die anderen gerne schnellstmöglich wieder loswerden.

Ohne Geld in der Tasche schlendert er durch eine Fußgängerzone. Er sieht die ganzen Sterne und Weihnachtsbäume und vielleicht hat er ja schon ein paar Brocken unserer Sprache gelernt – obwohl: Wahrscheinlich kann der wiederkommende Jesus sowieso jede Sprache seiner Welt fließend. Und dann fragt er einen freundlichen Rentner: „Was feiert ihr?“ „Weihnachten. – Also jetzt noch nicht. Aber wir bereiten uns drauf vor. Weihnachten ist nämlich das Fest der Feste.“ – „Aha. Und was wird da gefeiert?“ – „Das ist eine gute Frage. Also ursprünglich wurde da mal gefeiert, dass Jesus geboren wurde. Vor über 2000 Jahren in Bethlehem.“ – „Ursprünglich. Und jetzt.“ – „In der Kirche erinnern sie immer noch an Jesus und an Bethlehem und so. Aber die meisten Menschen freuen sich einfach über die Geschenke, über das Lachen und Staunen der Kinder, die gemeinsame Zeit in der Familie.“

Da kommt Jesus plötzlich eine Idee: „Sagen Sie mal: Wie würden die Leute denn reagieren, wenn Jesus noch einmal wiederkäme. Schließlich hat er so was ja mal in Aussicht gestellt.“ – Kurzes Nachdenken. Dann: „Das würde auch nichts ändern. Weihnachten hat mit Jesus sowieso nicht mehr viel zu tun. Es würde alles genau so weiterlaufen: Einkaufen, Weihnachtsmarkt. Glühwein. Christbäume, rote Weihnachtsmänner, Festbeleuchtung. Mit oder ohne Jesus. Das ändert nichts.“

„Okay“, sagt Jesus nach einer längeren Pause: „Aber jetzt stellen Sie sich doch mal vor, Jesus käme wirklich. Er stünde plötzlich vor Ihnen, so wie ich jetzt vor Ihnen stehe, und dann fragt er: „Ich habe Hunger. Kannst Du mir helfen? Ich bin Flüchtling, habe keine Arbeit, kein Geld, und nur noch diese alten Kleider. - Was würden Sie sagen?“ – „Junger Mann, alle Achtung. Das haben Sie jetzt wirklich geschickt eingefädelt. Dass Sie ein Flüchtling sind irgendwo aus dem Orient, das habe ich mir gleich gedacht. Und ich habe mich auch ganz gerne mit Ihnen unterhalten. Glauben Sie nicht, dass das jeder machen würde. – Hier haben Sie 5 €uro. Und jetzt entschuldigen Sie mich, ich muss weiter.“ – „Ja, ich auch. Vielen Dank und ein frohes Fest.“

Pfarrer Martin Diehl
Evangelische Kirchengemeinde Egelsbach

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