Dekanat Dreieich

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Von der Freiheit

Kinderbibelwoche „Martin Luther“. Puppenspiel:

Martin (Luther): Leute, ich habe schon wieder was Neues geschrieben.
Thomas: Da bin ich aber gespannt…
Philipp (Melanchthon): Zeig mal her. (nimmt das Helft und liest). „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan.“ – Also, ich weiß nicht…
Martin: Lies auch den zweiten Satz.
Thomas: Nein, ich will den ersten noch mal hören!
Philipp: Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan.
Thomas: Danke, Martin. Danke. Das Kloster hat mich die längste Zeit gesehen. Ich bin dann mal weg. Macht‘s gut.
Spalatin (kommt auf die Bühne): Sagt mal Jungs, was ist denn mit Thomas los. Der ist mir eben singend und grinsend wie ein Honigkuchenpferd entgegengekommen und als er mich gesehen hat, hat er gerufen: Ich bin so frei, ich bin so frei. Ich glaube, den sehen wir nie wieder.
Philipp: Martin hat was Neues geschrieben.
Spalatin: Lass mal hören.
Philipp: Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan.
Spalatin: Martin, ich weiß nicht. Ich glaube das ist gefährlich. Wenn die Leute das lesen, will niemand mehr aufräumen oder putzen. Da entsteht ein großes Durcheinander.
Martin: Bitte, lieber Philipp, lies doch endlich den zweiten Satz.
Katharina (kommt aufgebracht mit einem Bündel Wäsche auf die Bühne): Männer, so geht das nicht weiter. Die Küche steht voller Abwasch. Und eure dreckigen Klamotten feuert ihr einfach in die Ecke. Ich mach das nicht mehr mit.
Philipp: Ich lese jetzt mal den zweiten Satz: Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.
Spalatin: Und was heißt das jetzt konkret?
Katharina: Das heißt, dass du Martin, weil du mich liebst, jetzt in die Küche gehst und den Abwasch machst. Und du, lieber Philipp, wirst ihm helfen, weil du nämlich sein Freund bist.
Philipp: War das so gemeint?
Martin: Ich fürchte schon. – Komm, wir gehen in die Küche.

So haben wir versucht, den Kindern Luthers Schrift „Von der Freiheit…“ zu übersetzen. Historisch natürlich etwas fragwürdig: Katharina von Bora war 1520 noch gar nicht in Martin Luthers Leben getreten und hat außerdem im Männerkloster nichts zu suchen. Aber sei’s drum. Es ging um die Grundbotschaft. Und die heißt für Theologen: Du musst dir dein Heil nicht verdienen durch viele gute Werke. Gott schenkt es dir. Wenn du das spürst, wirst du gute Werke tun. Für Kinder heißt das übersetzt: Es gibt keine Freiheit ohne Abwasch. Für Erwachsene: Deine Freiheit ist nie losgelöst von deiner Verantwortung für die Nächsten. Oder wie Rosa Luxemburg 400 Jahre nach Luther ergänzte: „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.“

Luther hat seine Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ noch vor dem Reichstag in Worms geschrieben und veröffentlicht. Die Wiederentdeckung des freien, nur Gott und dem eigenen Gewissen verantwortlichen Individuums ist hier 1520 schon auf den Punkt gebracht.

Wir werden 2017 der Reformation vor 500 Jahren gedenken. In vielen Veranstaltungen. Kann passieren, dass uns das Thema bis Oktober zum Hals raushängt. Kann passieren. Schöner wäre es, wenn wir Christenmenschen uns im ökumenischen Gespräch über das austauschten, was uns trägt und bewegt. Darüber, wie viel Freiheit der Glaube unbedingt braucht und darüber, wie viel Verantwortung aus dieser Freiheit unbedingt folgen muss.

In Egelsbach haben wir uns zu zwei ökumenischen Tischgesprächen verabredet. Da werden wir miteinander reden, essen und trinken. – Und ich glaube, es wäre ein gutes Zeichen, wenn wir uns dann gemeinsam um den Abwasch kümmern.

Pfarrer Martin Diehl
Evangelische Kirchengemeinde Egelsbach

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