Dekanat Dreieich

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Von Blindgängern und Nächstenliebe

Niemand würde beim Fund einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg sagen: „Was geht mich die Vergangenheit an. Irgendwann muss Schluss sein“. Wenn es aber um die Erinnerung an ermordete oder vertriebene Juden geht, fällt der Satz öfter. Und manch einer tut gar so, als müsse er sich täglich dafür rechtfertigen, Deutscher zu sein. Völliger Quatsch!

Was wir allerdings wirklich tun müssen – und das gilt für alle Völker dieser Erde – ist, aus der Vergangenheit lernen, damit Kriege, Rassismus und Unterdrückung ein für alle Mal ausgerottet werden.

Das Beschäftigen mit dem Holocaust, das Hören auf das, was Überlebende berichten, schärft den Blick für jede Art von Propaganda gegen andere Kulturen. Das weiß auch die Bibel. Immer wieder ruft sie uns auf, unsere Geschichte, unser Leben zu durchdenken, zu erinnern, wenn nötig, einen anderen Kurs einzuschlagen. Erinnern, um daraus zu lernen. Keine Menschen und Untermenschen mehr. Unser Gegenüber ist genauso ein Mensch ist wie wir alle. Egal, wie er aussieht oder wo er herkommt.

Als Jesus gefragt wurde, was das wichtigste Gebot sei, antwortete er mit dem jüdischen Glaubensbekenntnis, wie es im Alten Testament überliefert ist: „Höre Israel, der Herr unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.“ Er zitiert weiter: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
Das Gebot schafft einen anderen Zugang zum Mitmenschen. Dieser Verantwortung muss ich mich stellen, muss mir gefallen lassen, daran gemessen zu werden. Wenn ich mich Vergangenheit nicht stelle, die Probleme unter den Teppich kehre, dann ist es wie mit dem Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg: wird er nicht entschärft, geht er eines Tages hoch.

Gaby Melk
Prädikantin
Evangelische Kirchengemeinde Egelsbach

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