Dekanat Dreieich

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Frieda freut sich auf Falafel

Der Rollator ist eingeparkt, die Plätze sind eingenommen. Frieda und ihre Freundinnen sitzen an ihrem Tisch im Begegnungszentrum. Heute kochen „die jungen Köche“. Eigentlich kommen die Senioren an diesen Tagen nicht. Doch letzte Woche hat Frieda sich getraut und ist zum Mittagsangebot der jungen Köche gegangen. Es gab Falafel. Das hat ihr sehr gut geschmeckt. Bei ihren Freundinnen hat sie davon geschwärmt. Und ihre Überredungskünste walten lassen. Heute sind sie mit von der Partie. Allerdings mit skeptischem Blick. Ob das Essen genießbar und ausreichend ist?

Einer der jungen Köche ist Sahid. Er hat Frieda schon beim letzten Mal gesehen, als sie da saß. Damals war er in der Küche eingeteilt. Heute bedient er am Tisch. Er hat seine Sätze lange geübt, den anderen vorgesprochen: „Hat es geschmeckt, meine Damen?“ Nun steht er am Tisch, ist trotzdem nervös und fragt mit Lampenfieber: „Hat´s geschmeckt?“ Frieda lächelt und antwortet keck: „Es hat echt super geschmeckt.“

Ich sehe Sahid und Frieda am Tisch, und mir kommt die Geschichte in den Sinn, als die Menschen Jesus zugehört hatten und dann hungrig wurden. Die Speisung der 5000. In Galiläa waren damals viele verschiedene Menschen zusammengekommen, die einander nicht kannten. Ich sehe Frieda und Sahid mitten in dieser Menschenmenge. Auch sie kommen aus unterschiedlichen Ländern. Auch sie haben wenige Gemeinsamkeiten und hätten sich wahrscheinlich nicht wahrgenommen. Wäre da nicht das Essen gewesen.

Die Pointe der biblischen Erzählung: Als es Abend wurde und alle Hunger bekamen, sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ (Mk 6, 37). Und die Jünger schauen ihn erstaunt an und sagen: Wir haben nichts, nur ein Junge hier hat fünf Brote und zwei Fische. Aber wie soll das reichen?

Ich denke an Sahid und Frieda. Wie soll das reichen? Das fragen Sie sich auch manchmal. Reiche ich noch, als alte Frau? Reiche ich als Geflüchteter in einer mir noch unbekannten Welt? Ich denke, diese Frage beschäftigt viele von uns. Bin ich genug?

Die Antwort in der Speisungsgeschichte ist: Es reicht! Denn Gott nimmt uns an so wie wir sind, mit unseren Gaben und Talenten, aber auch mit unserem Alter und unserer Lebensgeschichte. Wo Gott Menschen zusammenführt, sei es auf der Wiese bei Jesu Rede oder in der Westendstraße in Langen, da passiert das Wunder, dass es reicht.

„Hat´s geschmeckt?“ Friedas Freundin Gertrud nickt, aber Else schaut verlegen auf ihren Platz. Und sie sagt leise: „Sauerbraten wäre mir lieber gewesen.“ Den gibt’s manchmal, wenn nicht die jungen Köche kochen, sondern das Mittagstisch-Team.

Sahid kennt keinen Sauerbraten. Er fragt nach. Vielleicht treffen wir Sahid ja beim nächsten Mal, wenn die Senioren kochen, an Friedas Tisch. Und stellen fest: Frieda mag Falafel, und Sahid … mag Sauerbraten.

Friederike Geppert
Leiterin des Begegnungszentrums Westendstraße
der Evangelischen Kirchengemeinde Langen

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