Dekanat Dreieich

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Bin ich gemeint?

Es kommt überraschend. Keiner hat damit gerechnet. Sie sitzen um einen Tisch. Darauf ein Buch und Schreibutensilien. Er schaut in das Licht und folgt einer Armbewegung. Seine zwei Nachbarn sind mit anderen Dingen beschäftigt. Sie zählen Geld. Sie sind so vertieft, dass sie ihre Umgebung gar nicht wahrnehmen. Einer weicht erschrocken zurück. Und der fünfte im Bunde beugt sich nach vorne – die Hand nah an der Waffe. Auch er blickt in das Licht. Er sieht und sieht es doch nicht.

Wir, die Betrachter sehen, worum es geht. Im Alltag geschieht das Unfassbare: Der italienische Maler Caravaggio hat es festgehalten. Jesus erscheint am rechten Bildrand – und mit ihm Petrus. Den Arm erhoben, zeigt er auf Matthäus: Du bist hier und jetzt gemeint.

Das Gemälde „Die Berufung des heiligen Matthäus“ hat Caravaggio als Auftragsarbeit 1600 gemalt. Es ist heute noch in Rom in der Kirche San Luigi dei Francesi zu sehen.

Es ist nicht erkennbar, ob Matthäus auf sich oder seinen Nachbarn zeigt. Es stellt sich die Frage: Woran merke ich, dass ich gemeint bin? Woran merke ich, dass ich gerufen werde? Das kann man nicht beantworten. Es passiert nicht von jetzt auf gleich. Es kann mir heute oder morgen passieren. Es ist in gewisser Weise unverfügbar.

Jesus beruft Matthäus mitten in einer Tätigkeit. Nicht bei einer spirituellen Handlung. Er befindet sich in keinem sakralen Raum. Es ist nicht erkennbar, ob er vor der Tür oder in einem Haus sitzt. Und er zählt Geld. Mitten in einer weltlichen Tätigkeit begegnet er Jesus.

Auf diese Begegnung gibt es verschiedene Antworten. Die einen bekommen gar nichts davon mit. Die anderen sind ängstlich, unsicher oder blind. Diese Antworten sind frei. Der Ruf kommt – aber wir sind selber gefragt, ob wir ihn annehmen oder nicht.

Auch in meinem Vikariat ist Platz für die Frage nach der Berufung - nach dem Gerufen werden. Antworte ich dem Ruf, etwas in der Welt zu tun – etwas zu bewegen – etwas zu verändern? Was will ich mit meinem Leben anfangen und wohin will ich?

Der Ruf Jesu betrifft den ganzen Menschen. Das habe ich jetzt in meiner ersten Zeit im Vikariat festgestellt. Ich bin immer und überall Vertreterin der evangelischen Kirche – in Worten und Handlungen. Das kann erst mal verunsichern und auch anstrengend sein. Wer bin ich auf dem Bild von Caravaggio? Wer bin ich jetzt auf dem Bild? Das kann sich ändern - je nachdem, in welcher Phase man ist. Bin ich noch unsicher, ob ich dem Ruf folgen soll? Folge ich dem Ruf, etwas in der Kirche, in der Gemeinde zu bewegen - Menschen zu bewegen - von der befreienden Botschaft zu erzählen? Die Antworten sind frei.

All diese Überlegungen haben Platz in der Zeit des Vikariats. Denn das ist noch eine Zeit des Ausprobierens. Ich bin gerade diejenige auf dem Bild, die sich fragt: Bin ich gemeint? Und wer sind Sie?

Vikarin Katharina Meckbach
Evangelische Kirchengemeinde Langen

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